Reisebericht - 17. - 23. Juni 2001 - Woche 1
17. Juni 2001
Heute wurden wir bereits um 5.30 Uhr von unserem Wecker (Astrids Armbanduhr) geweckt. Allerdings waren wir nicht motiviert, aufzustehen. Heute ist Nationalfeiertag und bereits die ganze Nacht feierten die Jugendlichen auf dem Campingplatz laute Partys. Auch jetzt herrschte draußen immer noch keine Ruhe. Für isländische Verhältnisse eine ungewohnte Situation. Schließlich tauchte sogar die Polizei ("Lögregla") auf und sorgte für Ruhe.Gegen 5.40 Uhr krabbelte ich schließlich doch aus dem Schlafsack, um mich zu waschen. Der Himmel war wolkenverhangen und gegen 6.00 Uhr fing es zu regnen an. Astrid und ich bauten schnell das Zelt ab und wir brachten unser Gepäck unter die Überdachung, um dort zu frühstücken. Leider wurde der Regen fester, und erstmals seit unserer Ankunft in Reykjavik mussten wir den Regenschutz über unsere Rücksäcke ziehen. Kurz vor 8.00 Uhr erreichten wir die Touristeninformation, an der unser zum Myvatn Bus abfahren sollte.
Marcel hatte uns den Tipp gegeben, den Bus um 8.30 Uhr mit "Guide" zu nehmen, da dieser, im Gegensatz zum Linienbus um 8.15 Uhr, am Godafoss 20 Minuten Pause macht. Für diesen Bus mussten wir nur noch 1000 ISK für den Guide bezahlen, die Fahrt war im Ringticket enthalten. Vor der Touristeninformation trafen wir einen Deutschen, der wohl Mitte 60 war, und seit 3 Jahren in Island lebt, auf einer Farm arbeitet und dort die Kühe versorgt.
Vom Busfahrer erfuhren wir, das unser Bus erst zwischen 9.15 und 9.30 Uhr abfährt, da der Bus erst noch am Flughafen von Akureyri Touristen abholen muss, deren Flug sich verspätet. Die Flugzeuge sind in Island wetterbedingt nicht so pünktlich, wie die Busse. Also hatten wir noch Zeit, um in der Touristeninformation Postkarten zu schreiben. Gegen 9.30 Uhr ging es endlich los. Der Busse hatte noch ca. 10 bis 15 Fahrgäste vom Flughafen abgeholt, die direkt aus Reykjavik gekommen waren, um Nordisland kennenzulernen.
Ein Teil der Gruppe führte eine Myvatn-Tour durch, der andere Teil fuhr vom Myvatn weiter bis Husavik, um eine 3stündige Whale-Watching-Tour zu machen. Abends flogen alle wieder nach Reykjavik zurück. Island "Ruck-Zuck", nichts für mich! Wir beide und Marcel waren die einzigen Fahrgäste, die von Akureyri zum Myvatn wollten, um dort zu übernachten.
Der Guide erzählte uns Wissenswertes über Akureyri: Eine "Großstadt" mit 15000 Einwohnern, Universität, Theater, Sinfonieorchester und natürlich einem Golfplatz, auf dem Anfang Juli die "Artic Open" stattfinden - Golf spielen in der Mitternachtssonne. Der Bus hielt auf der gegenüberliegenden Seite des Fjordes an. Wir konnten einen letzten Blick auf die Stadt werfen. Seit heute Morgen lag das britische Kreuzfahrtschiff "Viktoria" im Hafen, deren Gäste nach Auskunft des Busbegleiters zum Hotel Reynhilid am Myvatn fuhren.
Der Regen ließ langsam nach, und der Guide war der Ansicht, dass das Wetter am Myvatn besser wäre. Der nächste Fotostopp wurde am Godafoss eingelegt, ein weiterer schöner Wasserfall. Auch der Regen hatte aufgehört. Mittags erreichten wir den Myvatn, wo wir uns einige Pseudokrater ansehen wollten. Der Myvatn (= Mückensee) machte seinen Namen alle Ehren, kaum waren wir ausgestiegen, flogen kleine Mücken von allen Seiten auf uns zu. Sie stechen zwar nicht, sind aber ganz schon lästig. Als Abhilfe werden dort Moskitonetze verkauft, in die man sich aufsetzen kann. Einige Touristen sahen damit aus, als kämen sie von einer Afrika-Safari. Wir begnügten uns mit unseren Kapuzen.
Endstation war für uns der Ort Reykjahlid am Hotel "Reynhilid", wo wir um 12.30 Uhr ankamen. Mittlerweile kam die Sonne heraus, was leider nicht nur uns, sondern auch die Mücken freute, denn bei starkem Wind oder kühlen Temperaturen wären kaum Mücken da. Wir gingen vom Hotel Reynhilid zum Campingplatz "Elda", der direkt am Ufer des Myvatn lag.
Von dort sollte die "Dettifoss-Super-Tour" stattfinden, falls sich genügend Leute angemeldet haben. Wir hatten Glück, es lagen noch vier weitere Anmeldungen vor. Wir blieben also gleich für zwei Nächte und bezahlten auch die Tour (5000 ISK pro Person). Zum Glück hatte der Campingplatz auch eine Waschmaschine, die wir für 500 ISK benutzen konnten, denn unsere Sachen waren reif für die Wäsche. Allerdings schloss die Anmeldung wegen des Nationalfeiertags um 13.00 Uhr und hat erst von 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Es war kurz vor 13.00 Uhr, also brachten wir schnell unsere Wäsche in die Waschmaschine. Ab 16.00 Uhr könnten wir die Wäsche dann in einem beheizten Trockenraum aufhängen. Schließlich bauten wir das Zelt auf und packten unsere Sachen ins Zelt. Nur Astrids "Jack Wolfskin"-Jacke blieb unauffindbar. Die muss wohl noch im Bus liegen.
Da der Guide berichtet hatte, das die Gruppe, die die Myvatn-Tour macht, gegen 15.30 Uhr zum Hotel Reynhilid zur Kaffeepause zurückkommt, gingen wir erst mal zum Hotel Reynhilid zurück. Der Bus war schon weg, aber der freundliche junge Mann im Hotel versprach, nachzufragen, wenn der Bus gegen 16.00 Uhr zurückkommt. Mittlerweile war es sonnig und 20°C warm, also brauchten wir unsere Jacken im Augenblick sowieso nicht.
Wir sahen uns die Kirche in Reynhilid an, in der es ungewöhnlich warm war. Als ich den Fotoapparat aus dem Zelt holte, entdeckte ich in Astrids Rucksack die verschwundene Jacke wieder. Wir sagten nochmals im Hotel Bescheid und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Solfatarenfeld "Namaskard". In der Ferne glaubten wir bereits, die schwefelgelben Felsen und die Rauchwolken zu sehen, doch der Weg war länger, als wir dachten (ca. 6 bis 7 km).
Der Rauch kam von einer Kieselgurfabrik, die über Geothermalkraft mit Energie versorgt wurde. Wir folgten weiter der Straße und mussten noch über eine Hügelkette mit 10 % Steigung. Gegen 16.45 Uhr kamen wir endlich dort an. Es roch nach Schwefel, qualmte, blubberte und zischte. Der Boden war in allen Gelb-, Grau- und Brauntönen gefärbt. Die gefährlich Stellen waren mit Seilen abgesperrt und man sollte diese Absperrungen auch nicht übersteigen, denn mit beiden Beine in kochenden Schlamm zu stehen, ist sicherlich nicht so angenehm. Leider fing es auf dem Rückweg an zu regnen und wurde deutlich kühler. Dummerweise hatte ich meinen Fleece-Pulli im Zelt gelassen und nur ein T-Shirt mit leichter Jacke dabei. Obwohl ich oft genug von den launischen isländischen Wetterkapriolen gelesen hatte, hatte mich das bisher überwiegend gute Wetter leichtsinnig werden lassen. Der Vorteil war, dass sich endlich auch die Mücken zurückzogen. Aber der Wind wurde kräftiger und so kamen wir gegen 18.30 Uhr nasskalt am Campingplatz an.
Astrid kaufte noch ein und ich zog mir schnell warme und trockene Sachen an und holte unsere Wäsche aus der Waschmaschine, um sie aufzuhängen. Im Trockenraum war es mollig warm, am liebsten wäre ich dort geblieben. Eine Koch- und Essgelegenheit gab es in einem großen Zelt mit festem Boden. Zum Abendessen gab es Spaghetti mit Napoli-Sauce, doch erst eine heiße Brühe zum Nachtisch sorgte bei mir endlich für die wohlige Wärme. Gegen 20.15 Uhr zogen wir uns ins Zelt zurück, um unsere Tagebücher zu schreiben. Der Regen trommelte auf das Dach und wir hofften auf trockenes Wetter für unsere morgige "Dettifoss-Super-Tour".
18. Juni 20016.45 Uhr, der Wecker klingelte und der Regen der über Nacht verstummt war, trommelt wieder auf das Zeltdach. Um 7.00 Uhr verließen schließlich doch unser warmen Schlafsäcke, um nach einer schnellen Wäsche im großen Zelt zu frühstücken. Pünktlich um 8.15 Uhr hörte der Regen auf und unser Bus für die Dettifoss-Super-Tour kam. Es war ein allradbetriebenes Mitsubishi-Kleinbus, mit dem unser Führer Hvittli (gesprochen "Ittli") uns und vier weitere Deutsche, ein Paar aus Göttingen und ein Paar aus dem Raum Stuttgart abholte.19. Juni 2001Zunächst ging es über die Ringstraße 1 Richtung Egilstadir (die ersten Kilometer kannten wir schon von unserem gestrigen Fussmarsch).Nach dem wir den Fluss "Jökulsa à Fjöllum" überquert hatten, ging es direkt nach links, an der östliche Seite des Flusses vorbei Richtung Dettifoss. Nach ca. 1 Stunde Fahrzeit erreichten wir den Dettifoss, Islands größten Wasserfall.
Die durchschnittliche Wassermenge beträgt 200 m3 / s, wobei die Wassermenge zwischen 120 m3 / s (im Winter) und 800 m3 / s (im Juli/August) liegen kann, da bei der Schneeschmelze die Wassermenge stark ansteigt. Der riesige Canyon zeigt, dass die Wassermengen früher noch viel größer waren. Die Fallhöhe des Dettifoss beträgt 44 Meter. Ein 20minütiger Fußmarsch von 1,4 km führte uns zum nahegelegenen kleineren Wasserfall Sellfoss (Fallhöhe 11 Meter). Nachdem wir wieder am Bus waren, fuhren wir nur wenige km weiter auf einen Aussichthügel, der komplett mit rotem Lavagestein bedeckt war, und einen Panoramablick über den Canyon der Jökulsa à Fjöllum bot. Von dort konnte man auch den Hafragilsfoss sehen, ein Wasserfall mit 27 Meter Fallhöhe.
Über abenteuerliche Schotterpisten ging es weiter bis Àsbyrgi. Vorher legte wir noch eine Pause in einem Restaurant ein und stärkten uns mit Pommes und Soft-Eis. Der Canyon Àsbyrgi war von ca. 100 Meter hohen Felswänden umschlossen und im Canyon wuchs ein ungewöhnlich dichter Birkenwald. Der Sage nach soll der Canyon durch ein Hufabdruck von Odins Pferd entstanden sein, aber Wissenschaftler gehen von mehreren starken Flutwellen aus, die den Canyon ausgewaschen haben. Wir fuhren mit dem Bus bis zum Parkplatz , der fast am Ende des Canyons lag.
Ein kurzer Spaziergang führte uns zu einem idyllisch gelegenen kleinen See mit kristallklarem Wasser (ca. 1 Meter tief), auf dem einige Enten schwammen. Ebenfalls nicht weit entfernt lag ein Fels, von dem man einen beeidruckenden Rundblick über den Canyon hatte. Direkt dahinter lagen die senkrecht aufragenden, ca. 100 Meter hohen Felswände, an denen zahlreiche Vögel nisteten. Von Àsbyrgi ging es über eine schmale Schotterpiste zur Felsenlandschaft "Hljodalsklettur". Dort gab es bizarre Lavaformationen aus gleichmäßig geformten sechseckigen Säulen zu bewundern.
Die zweistündige Wanderung dort führte uns zu unterschiedlichsten Formationen, unter anderem zu einer kleiner Höhle, die "Kirkja" (= Kirche) genannt wurde. Einige Felsen boten wieder einen tollen Ausblick auf die Jökulsa à Fjöllum, die auch hier zusehen war. Auf dem Rückweg ging es nach Husavik, wo uns die anderen Teilnehmer der Gruppe verließen, die dort im "Gistiheimili" (Gästehaus) bzw. auf dem Campingplatz übernachten wollten. Wir sahen uns in Husavik noch kurz den Hafen und die schöne Holzkirche, die leider verschlossen war, an. Dann ging es von Husavik zurück zum Myvatn (48 km). Nachdem es den ganzen Tag trocken geblieben ist (15 °C, aber bewölkt), fing es nun wieder an zu regnen. Als wir an unserem Campingplatz ausstiegen, war es naßkalt und windig. Wir krochen uns schnell im Zelt und aßen nur noch Brot zum Abendessen.
Als morgens um 5.30 Uhr der Wecker klingelte, hatte zwar der Wind aufgehört, aber es regnete immer noch und der Himmel war wolkenverhangen. Wir beschlossen, um 8.00 Uhr mit dem Bus ins Krafla-Gebiet zu fahren (ca. 15 min), uns dort , wenn möglich, die Gegend anzusehen, und sofort mit dem Bus zurückzufahren, um dann um 10.30 Uhr den Bus Richtung Egilstadir zu nehmen.20. Juni 2001Aber zuerst musste das Zelt abgebaut werden. Bisher hatten wir fast immer Glück gehabt, und konnten das Zelt im Trockenen auf- und abbauen. Aber diesmal hatten wir Pech. Also wurde zuerst der Innenraum aufgeräumt und das Innenzelt verpackt. Das Gepäck stellten wir ins große Essenszelt. Anschließend bauten wir das Außenzelt ab und frühstückten. Der Bus fuhr pünktlich um 8.00 Uhr am Hotel Reynhilid ab und wir waren die einzigen Fahrgäste.
Allerdings sagte der Busfahrer, dass er an der Krafla nicht warten könnte. Als wir ankamen, durften wir doch kurz aussteigen, um einen kurzen (Foto-)Blick auf den Kratersee "Viti" zu werfen. Gegen 8.30 Uhr kamen wir zurück zum Hotel Reynhilid. Wir gingen zurück zum Campingplatz, wo noch unser Gepäck stand. Es war so ungemütlich naßkalt, dass ich zum ersten Mal beschloss, meinen "Long John" anzuziehen. Wir kauften noch ein und gingen dann mit unserem Gepäck zurück zum Hotel Reynhilid.
Vorher habe ich an der Tankstelle noch eine heißen Kakao getrunken, der eigentlich aus einem Becher heißem Wasser und einem Beutel Kakaopulver bestand. Doch bis das Kakaopulver gelöst war, war der Kakao schon fast wieder kalt. Um 10.30 Uhr ging es mit dem Bus Richtung Egilsstadir. Vor neun Jahren bis ich die gleiche Strecke von Seydisfjördur bis zum Myvatn bei schönem Wetter gefahren und fand die weite einsame Landschaft sehr beeindruckend. Doch bei wolkenverhangenem Himmel, Regen und Nebel wirkte die Landschaft eher trostlos.
Gegen 12.50 Uhr kamen wir in Egilstadir an. Wir bestellten in der Touristeninformation in der Jugendherberge in Höfn zwei Betten vor. Wir hatten bis 14.00 Uhr Zeit für unser Mittagessen (Fish & Chips bzw. Hamburger mit "French Fries"). Um 14.00 Uhr ging es mit dem Bus von Egilstadir durch die Ostfjorde nach Höfn. Der Busfahrer spielte eine CD vor, auf der auf Isländisch und Englisch von der tollen Aussicht auf die Fjorde geschwärmt wurde, aber wir sahen leider nur dicke Wolken Als wir in Höfn ankamen, hörte der Regen endlich auf. Wie in Island üblich, wurden am Eingang der Jugendherberge die Schuhe ausgezogen. Das Haus hatte 30 Betten und war fast belegt (am nächsten Morgen standen am Eingang 27 Paar Schuhe).
Wir bekamen ein 4-Bett-Zimmer zusammen mit einem Paar aus Italien. Nach dem wir unser Gepäck verstaut hatten, gingen wir in das gegenüberliegende Schwimmbad ("Sundlaug"), um uns aufzuwärmen. In dem kleinen Schwimmbad waren noch ca. 10 bis 15 Leute, aber mit der Zeit wurde es leerer und wir konnten uns im Hot Spot bei 38°C bis 39°C aufwärmen. Wem das nicht reichte, der konnte noch in das zweite Becken mit 40 bis 41°C gehen. Zum Abendessen gab es wieder mal Spaghetti mit Napoli-Sauce. In der kleine Küche herrschte großes Gedränge, so dass wir lieber im größeren Aufenthaltraum aßen. Dort kamen wir mit einem Paar aus dem Raum Frankfurt ins Gespräch, die ebenso wie wir morgen mit dem Bus zum Jökulsarlon fahren wollten. Nach dem Abendessen machten wir noch eine Spaziergang.
Es war inzwischen fast 22.00 Uhr und der aufbrechende Himmel erzeugte eine beeindruckende Abendstimmung. Die Berge waren in Wolken verhüllt, doch auf dem Meer spiegelte sich ein Hauch von Abendsonne in schönen Farben. Auch die kleine vorgelagerten Insel waren zum Teil noch im Dunst zu sehen.
Um 6.30 Uhr ging unser Wecker. Um unsere Mitbewohner in der Jugendherberge nicht zu wecken, haben wir unser Gepäck schnell in de Aufenthaltsraum geschaftt und dort gefrühstückt. Wie sich gestern abend bereits angedeutet, besserte sich das Wetter, es herrschte lockere Bewölkung bei 12°C und Sonnenschein.Um 8.30 Uhr fuhr unser Bus am Campingplatz in Höfn ab (ca. 15 Minuten Fußweg). Bei mittlerweile strahlend blauem Himmel und nur noch wenigen Wolken ging es mit dem Bus die Ringstraße entlang. Unterwegs bot immer wieder ein Blick auf Gletscherzungen des Vatnajökull, mit ca. 8500 Quadratkilometern der größte Gletscher Islands (und Europas). Um 9.30 Uhr kamen wir am Gletschersee Jökulsarlon, der noch im Morgendunst gehüllt war.
Da der Bus nur eine Pause von ca. 20 Minuten einlegt und der nächste Bus erst am nächsten Tag zur gleichen Zeit kommt, hatten wir schon vorher beschlossen, dort einen Tag zu verbringen. Da es dort keine Campingplatz gibt, suchten wir uns zunächst einen geeigneten Platz für unser Zelt aus.
Wir fanden schließlich einen ziemlich ebenen Hügel mit Blick auf den See. Als wir das Zelt aufgebaut hatten, hatte sich auch der Morgendunst über dem See aufgelöst und es bot sich ein beeidruckender Blick auf die vielen Eisberge, die auf dem Jökulsarlon schwammen. Einige schimmerten in der Sonne weiß oder bläulich, andere waren schwarz (von der Asche) oder kristallklar. Vor dem Café parkten Amphiebienfahrzeuge, die wie Schiffe mit LKW-Reifen aussahen. Mit diesen konnte man Rundfahrten über den See machten. Doch wir bevorzugten den Blick vom Ufer. Nach einer Pause in der Sonne bei sommerlichen 20°C brachen wir zu einer Wanderung auf.
Zunächst gingen wir auf die andere Straßenseite, wo der See in den Atlantik fließt. Vom schwarzen Aschestrand sah man einige kleinere Eisberge in den Atlantik abtreiben. Weiter ginge es über die Holzbrücke (erbaut 1967), über die die Ringstraße den Jokulsarlon überquert. Auf der anderen Seite gingen wir immer am Ufer entland, um am anderen Ende des See zu gelangen. Aber immer, wenn wir glaubten, das Ende erreicht zu haben, tauchte ein weitere Hügel auf, hinter dem der See weiter ging. Nach zwei Stunden und ca. 3 km haben wir das Ende fast erreicht, aber bis zur Gletscherzunge hätten wir sicher noch eine Stunde laufen müssen.
Da das Café um 18.00 Uhr schloss, und wir noch Trinkwasser brauchten, machten wir uns nach einer Pause gegen 15.45 Uhr auf den Rückweg. Schneller als erwartet erreichten wir bereits das um 16.30 Uhr wieder das Café. Dort besorgt ich auf der Toilette noch Trinkwasser und kaufte auch noch einige Getränke. Spontan entschloss ich mich, heute abend mal ein Bier zu trinken. Das "Egils Gull" war vermutlich das teuerste Bier meines Lebens, die 0,5 l-Dose kostete 600 ISK (umgerechnet ca. 12,50 DM). Nach der Wanderung wollte ich meine Füße erfrischen und die Temperatur des Gletschersees prüfen.
Der See war erfrischend kalt. Zum Abendessen gab es Tomatensuppe mit Nudelbeilage. Während Astrid im Zelt Pause machte, ging ich am Seeufer noch ca. 30 Minuten in die andere Richtung entlang. Auf dem Rückweg entdeckte ich am Rand des Sees eine Plastiktüte die mir merkwürdig bekannt vorkam. Es war unsere Tüte für die Verpackung der Zeltplane. Bisher hatten wir sie noch nicht vermißt. Sie musste wohl beim Aufbauen weggeflogen sein. Ich fischte sie wieder aus dem See. Gegen 19.30 Uhr zogen wir uns zurück, den bei noch angenehmen 12°C kamen jetzt einige Windböen auf.
Um 7.00 Uhr ging der Wecker, der Wind von gestern abend war wieder abgeklungen und es herrschte strahlender Sonnenschein bei blauem Himmel. Wir wuschen uns diesmal im Freien, bauten unser Zelt ab und aßen das restliche Brot auf (leider nur noch zwei Scheiben für jeden).22. Juni 2001Der Bus fuhr erst um 9.50 Uhr, als hatten wir noch etwas Zeit. Wir setzten uns in die Sonne und ich gönnte mir am Café noch einen Kakao mit Sahne. Dann ging es mit dem Bus zum Skaftafell-Nationalpark. Die Busfahrt bot einen Blick auf Gletscherzungen und lebensmüden Schafen, die nur äußerst ungern dem Bus Platz machen wollten. Gegen 11.00 Uhr kamen wir am Skaftafell-Nationalpark an. Dort bezahlten wir unseren Campingplatz für zwei Nächte und kauften Brot und Getränke ein.
Marcel hatte uns vorgewarnt, das nach dem Einfall der Touristen nachmittags schon mal das Brot knapp würde. Der Himmel war bereits seit unsere Ankunft bewölkt, und nachdem wir gegen 12.30 Uhr unser Zelt aufgebaut hatten, fing es an zu nieseln. Wir beschlossen, die Zeit für einen Mittagsschlaf zu nutzen. Der Regen wurde etwas fester, doch gegen 15.30 Uhr legte er eine Pause ein. Wir brachen zu einer Wanderung auf. Zunächst ging es durch die üppige (und leider noch nasse) Vegetation (u. a. Birken) bergauf (ca. 200 Höhenmeter).
Der Aussichtspunkt "Sjönarnipa" (340 Meter) bot einen Blick auf die Gletscherzunge des Skaftafellsjökull. Leider war der Blick ziemlich wolkenverhangen. Nun ging es auf gleichbleibender Höhe über die "SkaftafellsheidI" Richtung "Svartifoss" (=schwarzer Wasserfall). Der Wassefall Swartifoss bot einen schönen Anblick, zwischen gleichförmigen dunklen Basaltsäulen fiel das Wasser aus ca. 10 Meter Höhe senkrecht herab.
Weiter ging es zu den Wasserfällen Magnusarfoss und Hundafoss vorbei. Auf dem Rückweg erklommen wir den Aussichtspunkt Sjönarsker, der einen schönen Rundblick bieten sollten. Wir sahen leider nur, wie sich dicke Regenwolken langsam aus dem Tal den Berg hinauf schoben. So mussten wir die letzen 2 km der insgesamt 6,5 km langen Wanderung im Regen zurücklegen. Durchnässt kamen wir am Zelt an und ich musste mit Schrecken feststellen, dass sich Sohle meine linken Wanderschuhs ablöste. Zum Abendessen gab es Bockwürstchen, die Astrid vorher noch schnell gekauft hatte.
Gegen 7.30 Uhr klingelt unser Wecker. Nach einer verregneten Nacht hatte es aufgehört zu regnen, und so wurden zuerst unser Wanderschuhe, Socken und Jacken, die irgendwie noch feuchter als gestern erschien, rund um das Zelt zum Trocknen verteilt. Nach dem Frühstück repariete ich meinen linken Wanderschu mit "Seam-Grip"-Kleber und "Duck-Tape"-Klebeband.23. Juni 2001Gut das wir uns vorher bei Glebetrotter für solche Notfälle ausgerüstet hatten. Um die Trocknung zu beschleunigen, konnte ich im Geschäft noch eine isländische Zeitung von gestern bekommen. Wir zogen wir uns erst mal ins Zelt zurück, doch gegen 10.00 Uhr klärte sich der wolkenverhangene Himmel auf und die Sonne kam hervor. Leider waren die Schueh immer noch nicht trocken, so dass wir die geplante 10stündige Wanderung für heute vergessen konnten.
Zudem zog es sich wieder zu und fing an zu regnen. Als es gegen 13.00 Uhr wieder aufhörte, gingen wir (mit unseren Sandalen) ca. 1,5 km zur Gletscherzunge des Skaftafellsjökull. Und wieder fing es an zu nieseln. Wir gingen zurück zum Café, um dort eine heißen Kakao zu trinken. Dazu aßen wir einen leckeren Schokoring aus Blätterteig. Wir ließen uns Zeit, damit unser nassen Socken wieder trocknen konnten. Anschließend gingen wir in die Touristeninformation, um in der Jugendherberge in Vik zwei Betten für Morgen zu reservieren.
Nach dem erneuten Rückzug ins Zelt, gingen wir nachmittags gegen 17.00 Uhr schön warm duschen und räumten anschließend im Zelt auf. Zum Abendessen (gegen 19.00 Uhr) gab es Kartoffelpüree und die restlichen "Pylsur" (Bockwürstchen) von gestern. Ein kleiner Abendspaziergang zunächst entlang der Zufahrtsstraße führte uns an das andere Ende des weitläufigen Campingplatzes. Dort gab es einen kleinen Wasserfall. Meine immer noch leicht feuchten Wanderschuhe habe ich über nach in die beheizten Waschräume des Campingplatzes gestellt, Astrid Schuhe waren inzwischen trocken.
Wieder im Zelt, wollten wir unsere weitere Reise planen. Zuerst stellten wir fest, dass die Jugendherberge Vik nicht im Ort Vik, sonder ca. 15 km vor Vik liegt. Von der Jugendherberge war das Cap Durholay noch 25 km entfernt. Also beschlossen wir, die reservierten Betten in Vik wieder abzubestellen und direkt bis Skogar zu fahren. Gegen 22.00 Uhr bot sich draußen ein etwas freundlicherer Anblick, der Himmel lockerte auf und ein "Streifen" Abendsonne beleuchtete die Berge.
Gegen 7.30 Uhr ging unser Wecker. Erfreulicherweise hatte es in der Nacht nicht mehr geregnet und auch meine Wanderschuhe waren endlich trocken. Aber es war bewölkt. Nachdem wir das Zelt abgebaut und alles verpackt hatten, gingen wir zum Café, um an den Tischen und Stühlen, die draußen standen, gemütlich zu frühstücken.Dort trafen wir wieder Thorsten mit seiner Frau, die wir bereits in Höfn getroffen hatten. Sie hatten seit Höfn die gleich Tour wie wir gemacht (mit Zeltübernachtung am Jökulsarlon) und wollten mit dem Bus weiter bis Selfoss. Von dort fahren Hochlandbusse nach þhorsmörk. þhorsmörk ist ein Wandergebiet nördlich der Gletscher Myrdalsjökull und Eyjafjallajökull. Da wir noch Zeit hatten, gingen wir noch für ca. 45 Minuten spazieren.
Wir gingen, wie gestern abend, zum anderen Ende des Campingplatzes zu dem kleinen Wasserfall, ab diesmal in umgekehrter Richtung. Auf dem Rückweg über die Zufahrtsstraße konnten wir mit unseren Ferngläsern eine Gruppe beobachten, die über die Gletscherzunge des Skaftafellsjökull kletterte. Gegen 10.00 Uhr kamen wir wieder am Campingplatz an. Unser Bus fuhr erst um 11.00 Uhr, also war noch Zeit für einen heißen Kakao. Als unser Bus um 10.40 Uhr ankam, trafen wir noch einen alten Bekannten. Marcel aus Holland stieg aus dem Bus, um einige Tage im Nationalpark Skaftafell zu verbringen. Wir fuhren mit dem Bus zunächst bis Kirkjubaerklaustur. Bis dorthin führte die asphaltierte Ringstraße durch endlose Asche- und Lavawüsten. Häufig mußte der Bus auf einspurigen Holzbrücken Gletscherläufe überqueren.
Dort machte der Busfahrer im Hotel 40 Minuten Mittagspause. Wir nutzten die Zeit, um noch einige Lebensmittel einzukaufen. Weiter ging es mit dem Bus Richtung Vik, der südlichsten Stadt Islands. Es fing an zu regnen. Es ging wieder durch Asche- und Lavawüsten. Es gab aber auch weite Lupinenfelder, die einen blauen Blütenteppich bildeten. Obwohl Lupinen auf Island nicht heimisch sind, wurden sie dort erfolgreich zur Verringerung der Bodenerosion angepflanzt. In Vik hielt der Bus für 15 Minuten.
Diese Zeit nutzte ich für einen Fotostopp. Im Meer konnte man einige bizarre Felsen erkennen, möglicherweise die Ausläufer vom Felsentor Cap Dyrholay oder die gegenüberliegend Landzunge. Die Sicht war wegen des Wetters nicht besonders gut und das Felsentor selbst war nicht zu erkennen. Auf der anderen Seite bot die Kirche von Vik ein schönes Motiv. Sie stand auf einem Hügel, der von blauen Lupinen übersäht war. In Vik war es naß und windig und wir waren froh, das wir uns entschlossen hatten, nicht dort zu bleiben. Weiter ging es bis Skogar, wo wir gegen 14.15 Uhr ankamen.
Die Sonne kam wieder rechtzeitig zum Vorschein und es hatte aufgehört zu regnen. Zum Campingplatz, der direkt am Wasserfall Skogafoss lag, waren es noch etwa 15 Minuten zu Fuß. Nach der Anmeldung bauten wir unser Zelt auf und brachen gegen 15.30 Uhr zu einer Wanderung auf. Zunächst ging es zum mächtigen Skogafoss, der wie eine etwa 10 Meter breite Wasserwand aus 62 Meter Höhe senkrecht hinabfiel. Am Wasserfall konnte man über einem Pfad bis zur Oberkante des Wasserfalls gelangen. Die Stufen erleichterten den steilen Aufstieg etwas. Vor dort ging ein schmaler Weg immer dem Flußlauf entlang.
Während auf dem Campingplatz und am Wasserfall viele Campinggäste, vor allem auch isländische Familien, ihr Wochenende verbrachten, waren wir hier oben alleine unterwegs und konnten die Ruhe genießen. Der Fußweg ging leicht bergauf, immer am Fluß Skogar entlang, der sich durch ein tiefes, felsengesäumtes Flußbett schlängelt. Immer wieder tauchten beeindruckende Wasserfälle auf. Vom Berg konnte man sehen, wie der Skogar ins Tal bis zum Atlantik verlief. Nach 1,5 Stunden Weg (ca. 3 km) gingen wir auf gleichem Wege zurück. Diesmal brauchten wir weniger als eine Stunde, da wir keine Fotostops einlegten und es leicht bergab ging. Wieder auf dem Campingplatz, haben wir erst mal gekocht, es gab mal wieder Spaghetti, aber zur Abwechslung mit Curry-Sauce. Leider bin ich nach dem Essen auf unsere Flasche mit der "Hamburger-Sauce" getreten, die sich im Vorratsbeutel und auf Astrids Jacke verteilte. Nachdem ich die Schweinerei beseitigt hatte, versuchte ich leider erfolglos, Milch zu kaufen und noch Geld zu wechseln, denn am Samstagabend war schon alles geschlossen. Gegen 20.30 Uhr zogen wir uns ins Zelt zurück, denn draußen wehte bei 12°C ein kühler Wind. Wir hatten beschlossen, morgen über Selfoss mit dem Bus nach þhorsmörk zu fahren.