Erster
Tag
auf dem Kungsleden
von Abisko Touriststation zur Allesjaure Hütte (ca. 30 KM)
Samstag, 24. August 2002
Bereits um 5.30 Uhr klingelt unser Wecker, da wir zeitig los wollen. Kurz darauf bequemen wir uns aus dem Zelt und bauen es ab. Dann geht's vorerst ein letztes Mal duschen. Das Frühstück haben wir am Auto eingenommen. Anschließend packen wir endgültig unsere Rucksäcke. Wir hinterlassen im Auto eine Nachricht, welche Route wir wandern wollen, und dass wir spätestens am 04. September zurück sein wollen.
Gegen 7.30 Uhr geht es mit ca. 15 kg Gepäck auf dem Rücken bei strahlend blauem Himmel los. Gegenüber der Zufahrt zur Touristenstation überqueren wir nur noch die E 10 und schon stehen wir vor einem Torbogen aus Holz. Hier beginnt der Kungsleden. Nach einem Erinnerungsfoto, wir hatten Glück, dass so früh schon zwei Wanderinnen vorbeikamen, wandern wir endgültig los.
Zu Beginn führt der Weg durch ein Birkenwäldchen. Neben den Birken gibt es eine üppige Vegetation u. a. mit Büschen und Moosen. Der Weg ist überwiegend eben und gut zu laufen. An feuchten Stellen sind sogar Holzbohlen angebracht. Also, gegenüber dem Peer-Gynt-Weg herrschen hier wirklich „königliche“ Verhältnisse, und das auch noch bei „Kaiserwetter“. Nach einiger Zeit werden die Birken weniger, die flachen Gebüsche und Beerengewächse breiteten sich umso mehr aus. Wir überqueren zwei Gebirgsbäche über Hängebrücken aus Holz. Zwischendurch löschen wir unseren Durst mit dem Wasser direkt aus dem Bach. Zuletzt führt uns der Weg am Ostufer des Sees „Abiskojaure“ entlang.
Da es bis jetzt keine größeren Steigungen zu bezwingen gab (insgesamt etwa 200 Höhenmeter), erreichen wir Punkt 12.00 Uhr nach etwa 13 km die Abzweigung zur Abiskojaure-Hütte. Da es noch früh ist und wir uns fit genug fühlen, beschließen wir, die zweite Etappe bis zur Allesjaure-Hütte auch noch zu laufen. Die Hütte war noch 20 km entfernt, aber die letzten 6 km kann man mit einem Boot fahren. Das Boot fährt um 10.30 Uhr, 15.30 Uhr, 17.30 Uhr und zuletzt um 19.00 Uhr. Bei noch ca. 250 Höhenmetern haben wir max. 7 h Zeit für etwa 14 km. Das sollte zu schaffen sein, denken wir :-)
Also geht es weiter. Zuerst geht es wieder durch Birkenwäldchen. Die ersten 4 km bis zu einer weiteren Hängebrücke verlaufen ohne größere Steigungen und wir kommen zügig voran. Doch jetzt geht es auf kurzer Strecke 150 Meter bergauf. Nach diesem Stück ist erst mal eine wohlverdiente Mittagspause angesagt und wir genießen die Aussicht über den bis dato zurückgelegten Weg.
Wir studieren die Karte und stellen fest, dass wir jetzt ein langgezogenes Tal durchqueren müssen. Am anderen Ende würden wir am ersten der drei Seen ankommen. Am dritten See würden wir dann den Bootsanleger erreichen. Es sieht also ganz gut aus, sind wir der Meinung. Getäuscht. Der Weg durch das Tal führt stetig leicht bergauf, ist äußerst steinig und zieht sich wie Kaugummi endlos in die Länge. Hinzu kommt, das uns die Sonne bei wolkenlosem Himmel genau von vorne ins Gesicht knallt. Ohne Sonnenhut und Sonnenbrille würde ich wahrscheinlich einen Sonnenstich bekommen. Der Sonnenbrand lässt sich bei meiner empfindlichen Haut sowieso nicht mehr vermeiden. Aber das ist immer noch besser, als völlig durchnässt gegen einen Sturmwind anzukämpfen.
Gegen 15.00 Uhr haben wir endlich einen ersten Blick auf den eben erwähnten ersten See geworfen. Das ist mit etwa 810 Metern der höchsten Punkt unserer heutigen Tour. Der Weg wird jetzt flacher und weniger steinig. Dafür kommen wieder häufiger Holzbohlen, auf denen man sehr angenehm laufen kann. Gegen 16.00 Uhr erreichen wir an einer Holztreppe einen Weidezaun für Rentiere, den wir überqueren. Dort ermutigt uns einen Hinweisschild, dass es noch 5 km bis zum Bootsanleger sind. Da wir ziemlich fertig sind, legen wir noch mal eine Pause ein.
Jetzt geht's am zweiten See entlang, dessen Ende wir gegen 17.00 Uhr erreichen. Von dort folgt der nächste Wegweiser mit der Entfernungsangabe 2 km. Inzwischen schmerzen uns die Füße weh und wir sehnen uns nach dem Bootsanleger. Gegen 18.00 Uhr ist es endlich geschafft. Am Bootsanleger finden wir eine Fahne, die man hissen soll, wenn man über den See möchte. Der Bootsmann kann dann erkennen, ob es sich überhaupt lohnt, herüberzufahren. Morgen fährt das Boot für diese Saison zum letzten Mal. Für Sonderfahrten (für mindestens 6 Personen) gibt es sogar ein Telefon, um sich anzumelden.
Wir hissen die Fahne, ziehen unsere Wanderschuhe aus und steckten unsere Füße in den kalten See, was sehr erfrischend ist. Während meine Füße nur ziemlich erschöpft sind, hat Astrid mehr Pech. Sie muss erst mal zwei Blasen mit Compeed-Pflaster behandeln und einen Zehnagel, der sich gelöst hat, entfernen. Mittlerweile hat sich noch ein Wanderer dazugesellt, der ebenfalls mit dem Boot fahren will.
Gegen 19.00 Uhr taucht am Horizont ein kleines silbernes Motorboot auf, um kurz darauf an dem kleinen Holzsteg anzulegen. Wir gehen an Bord und verpackten unsere Rucksäcke. Der Bootsmann lässt die Fahne wieder herunter und dann geht es innerhalb von ca. 20 Minuten zügig über den See. Das Boot ist sehr klein, es passen vielleicht 10 Personen mit an Deck, als Wetterschutz gibt es nur eine Plane, die aber heute offen ist. Die Überfahrt kostet 150 SEK pro Nase.
An der Allesjaure-Hütte angekommen, müssen wir vom Anleger aus den Hügel erklimmen, auf dem die Hütte liegt. Wir melden uns an und bekommen ein 4-Bett-Zimmer zusammen mit zwei älteren Wanderern aus Schweden. Gegen 20.00 Uhr kochen wir in der Küche der Hütte zum Abendessen Nudeln mit Tomatensuppe. Nach dem Schreiben der Tagebücher klettern wir gegen 21.45 Uhr todmüde in unsere Betten.