Zweiter Tag auf dem Kungsleden
von Allesjaure zur Tjäkta Hütte (ca. 13 KM)


Sonntag, 25. August 2002

Kurz vor 5.00 Uhr wollten unsere Zimmerkollegen aufstehen. Zu diesem Zeitpunkt tobt draußen ein Unwetter mit kräftigen Regen und starken Windböen. Ich dachte schon: "Das kann aber heute ungemütlich werden". Aber als wir gegen 6.00 Uhr aufstehen, ist von einem Unwetter nichts mehr zu sehen. Die Sonne scheint von einem blauen, fast wolkenlosen Himmel.

Nach dem Anziehen gibt es in der Küche zum Frühstück Knäckebrot mit „Nuss Nugat Creme“ aus der Tube. Kurz nach 7.00 Uhr geht es los. Der Weg führt meist leicht bergauf. Manchmal ist es steinig und manchmal liegen die schon bekannten Holzbohlen auf dem Weg. Mittlerweile sind wir auch oberhalb der Baumgrenze, hier gibt es keine dichten Birkenwälder wie zu Beginn zwischen Abisko und Abiskojaure.

Wir überqueren mehrere Flüsse, zweimal geht es über Hängebrücken, die kleineren Bäche können über Holzbohlen passiert werden. Einige flache Bäche durchqueren mangels Brücke zu Fuß, Aber auch das ist kein Problem. Meistens liegen dort genug Steine herum und außerdem sind unsere Wanderschuhe (Meindl sei Dank) wasserdicht.

Da unsere heutige Strecke nur halb so lang wie gestern ist, lassen wir uns viel Zeit und machen zwischendurch drei längere Pausen. Trotzdem erreichen wir schon gegen 13.00 Uhr dieTjäktja-Hütte.

Nach einer Pause in der gemütlichen Wohnküche beziehen wir unser noch leeres 4-Bett-Zimmer, waschen uns die Haare und legen uns für ca. 1 Stunde hin. Den Nachmittag haben wir uns mit Teetrinken und Kekse essen versüßt. Dabei war auch genügend Zeit zum schreiben der Tagebücher.

Die Berghütten werden alle vom STF (Svenska Turistforeningen = Schwedischer Touristverband) betrieben, der in etwa mit dem Deutschen Jugendherbergswerk vergleichbar ist. Dort werden auch die Mitgliedsausweise im DJH anerkannt, und man kann zu den ermäßigten Preisen der STF-Mitglieder übernachten.

Die Übernachtung kostet pro Person 220 SEK (ca. 30 Euro). Dies ist nicht gerade billig, aber die Bewirtschaftung der Hütten ist sehr aufwendig, da sie nur zu Fuß bzw. im Sommer mit einem Helikopter und im Winter mit einem Schneescooter zu erreichen sind. Entsprechend wird im Sommer für genügend Brennholz gesorgt, der Müll wird getrennt gesammelt und bis zum Winter gelagert, wo er dann mit einem Schneescooter abgeholt wird.

Der Hüttenwart wohnt für einige Wochen in einer eigenen Holzhütte, die meist über Solarzellen mit Strom versorgt wird. In den anderen Hütten gibt es keinen Strom. In der Gemeinschaftsküche gibt es Gaslampen, in den Zimmern Kerzen. Gekocht wird ebenfalls mit Gas. In jedem Zimmer und in der Gemeinschaftsküche befinden sich Öfen, die mit Holz beheizt werden können.

Fließend Wasser gibt es in keiner Hütte. Draußen fließt entweder ein Fluss/Bach vorbei an dem man frisches Wasser schöpfen kann oder es gibt Wassertanks, die aus einem nahegelegenen See gefüllt werden. Mit entsprechend gekennzeichneten Stahleimern kann am Fluss Trinkwasser geschöpft werden. Entsprechend wir Wert darauf gelegt, da sich niemand an der Trinkwasserstelle wäscht. Meistens ist die Waschstelle an der anderen Seite. Für das Schmutzwasser gibt es ebenfalls Eimer. Wenn diese voll sind, kann man sich in spezielle Abwassergruben mit Versickerung schütten. Waschen muss man sich entweder im Freien oder in den Zimmern, wo sich unter dem Tisch herausziehbare Emailleschüsseln befinden.

Für dringende Bedürfnisse gibt es die etwas abseitsgelegenen Trockenklos. Da hier oben meistens ein frischer Wind weht, ist dort die Geruchsbelästigung noch zu ertragen. Als „Zivilisationsmensch“ sieht man, das die Versorgung mit Strom und fließend Wasser hier oben nicht so einfach ist. Man merkt dabei, für wie selbstverständlich man solchen Luxus im Alltagsleben hinnimmt. Aber die Hütten sind immer sehr gemütlich und die Küche ist mit allen grundlegenden Sachen bestückt. Wir hätten unser Campinggeschirr und den Gaskocher getrost unten lassen können.

Zum Abendessen gibt es heute Tomatensuppe und Püree. Gegen 20.30 Uhr haben wir uns auf unser Zimmer zurückgezogen, das wir für diese Nacht für uns alleine haben. Insgesamt hat die Hütte drei 4-Bett-Zimmer und ein 8-Bett-Zimmer, so wie jede Menge Matratzen, wenn es voller wird. Aber heute sind nur ca. 10 Wanderer gekommen, u. a. eine Gruppe aus England und einige Schweden. Also Gute Nacht.